Entstehung und Entwicklung von Capoeira

Capoeira entstand etwa im 17. Jahrhundert bei den Sklaven in Brasilien. Die portugiesischen Kolonialherren verschleppten Millionen von Menschen aus Afrika und zwangen sie, in ihren Zuckerrohrplantagen zu arbeiten. Trotz der harten Arbeit, der Unterdrückung und der Ausbeutung schafften es einige Sklaven, weiter ihre Kampftechniken aus der Heimat zu praktizieren und sie sich gegenseitig beizubringen. Die Kolonialherren waren natürlich alles andere als begeistert darüber, dass ihre Sklaven kämpfen lernten, also tarnten die Sklaven ihr Training mit Musik und Gesang als harmlosen Tanz. Aus dieser Mischung entstand Capoeira. Von Anfang an war Capoeira nicht nur eine Kampftechnik, sondern auch ein Ausdruck des Widerstands gegen die Unterdrückung.

Im Laufe der Jahre konnten einige der Sklaven aus der Gefangenschaft fliehen und gründeten eigene Siedlungen, sogenannte Quilombos. Hier entwickelte sich die Capoeira weiter, wurden Erfahrungen weiter gegeben und neue Techniken ausprobiert.

1888 wurde die Sklaverei in Brasilien abgeschafft. Capoeira blieb aber weiterhin gesellschaftlich geächtet und wurde 1890 sogar verboten. Zum einen, weil sie als Beschäftigung der Sklaven angesehen wurde. Zum anderen, weil sich besonders in den Hafenstädten immer mehr rivalisierende Straßengangs gebildet hatten, die Capoeira als sehr effektive Technik im Kampf gegeneinander und gegen die Obrigkeit einsetzten.

 

Zur weiteren Entwicklung der Capoeira und schließlich auch zu ihrer gesellschaftlichen Anerkennung trugen besonders zwei Mestres bei: Mestre Bimba und Mestre Pastinha.

Mestre Bimba gründete 1932, noch zur Zeit des Capoeira-Verbots, die erste Capoeira-Schule. Er entwickelte ein festgelegtes System für seinen Unterricht und integrierte auch Techniken aus anderen, vor allem asiatischen Kampfsportarten. Daraus entstand die Capoeira Regional.

Mestre Pastinha gründete 1942 die erste Schule für Capoeira Angola, den traditionellen Capoeira-Stil. Er widmete sein ganzes Leben der Capoeira Angola, bildete Schüler aus, sorgte dafür, dass die Capoeira-Traditionen gewahrt wurden und schrieb Bücher über Capoeira Angola.

1937 wurde das Capoeira-Verbot in Brasilien aufgehoben. Von da an verbreitete sich Capoeira immer weiter, zuerst in Brasilien, dann in der ganzen Welt. Heute gibt es Capoeira-Gruppen in fast allen Ländern.

2014 wurde Capoeira von der Unesco zum Weltkulturerbe erklärt.

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